Roland Mauz ist Besitzer von African Dive Adventures. Er taucht auf Protea Banks seit 1996. »Wir möchten dieses Gefühl, unter Wasser zu schweben und das unvorstellbare Privileg mit wilden Haien hautnah tauchen zu können an andere, ähnlich begeisterte Leute weitergeben.«

Ein Interview von Oliver Feist

Roland Mauz, 1959 in Sigmaringen geboren, war schon immer gerne in der Nähe des Meeres,  hatte  aber immer viel Respekt vor dem Wasser und hauptsächlich vor den Bewohnern dort. Durch einen ungeplanten Tauchkurs 1996 auf den Komoren, sollte sich sein Leben schlagartig verändern! Dieses einzigartige Gefühl unter Wasser hat Roland auch heute noch, nach 3300 Tauchgängen.

©Roland Mauz / Afridive.com

©Roland Mauz / Afridive.com

Stop Finning DE: Roland, woher kommst du?

Roland: Ich komme aus Burladingen in Baden Württemberg.

Stop Finning DE: Seit wann tauchst du?

Roland: Seit 1996.

Stop Finning DE: Isst du Fisch oder andere Meeresfrüchte? Wenn nicht, warum?

Roland: Ab und zu.

Stop Finning DE: Von Beruf bist du Leiter der Tauchbasis African Dive Adventures in Südafrika und möchtest das Tier Hai den Menschen näher bringen. Was macht Dir an Deiner Arbeit besonders viel Freude und was vielleicht auch nicht? Hast du deinen Traumberuf gefunden?

Roland: Meine Arbeit ist definitiv ein Traumberuf, denn ich darf mit erfahrenen Tauchern Tauchgänge mit Haien durchführen. Hierbei habe ich selbst viel Spaß, brauche mir kaum um meine Taucher Sorgen machen und kann mich so auf das Privileg, mit diesen gewaltigen Tieren tauchen zu dürfen konzentrieren.

Hinzu kommt, dass unser Tauchen richtig was in sich hat. Selbst die Seefahrt mit den Booten ist kein Kindergeburtstag. Das Tauchen ist tief, oft hautnah mit sehr großen Haien. Jeder Tag ist ein Erlebnis.

©Tigerhai / Afridive.com

©Tigerhai / Afridive.com

Stop Finning DE: Warum findest du Haie so faszinierend?

Roland: Sie sind die am meisten missverstandenen Tiere und trotzdem absolut ungefährlich für uns. Wir experimentieren oft und fordern die Tiere heraus um zu sehen wie weit wir gehen können. Das Ende haben wir noch immer nicht erreicht.

Stop Finning DE: Wann und mit was für einem Haie war Deine erste Begegnung?

Roland: Das waren Sandtigerhaie gleich am ersten Tauchgang im Meer. Gefolgt von einem Tigerhai am 8. Tauchgang.

Stop Finning DE: Wie hast du Dich bei deiner ersten Begegnung verhalten und wie sollte man sich Deiner Meinung nach bei der ersten (aber auch bei allen anderen) Haibegegnung verhalten?

Roland: Ganz einfach relaxed und genossen!

Stop Finning DE: Welche Erinnerung hast du daran? Hattest du Angst?

Roland: Nein, die Haie waren einfach Teil der Umgebung in der ich mich befand. Faszinierend, absolut nicht beängstigend. Die ganze Situation war sehr entspannt.

Stop Finning DE: Gab es eine besonders prägende Situation mit Haien von der du noch heute zehrst?

Roland: Als ich mit meinem Kumpel alleine an einem verstorbenen Wal getaucht habe. Der Walkadaver wurde auf die hohe See gezogen und dort der Natur überlassen. Wir tauchten daran und was wir sahen war unbeschreiblich. Unendlich viele Haie haben an diesem Kadaver gefestet und regelrecht gewildert. Am Schluss waren alle weg und 20 Tigerhaie erschienen auf der Bildfläche. Wir wussten damals noch nichts von angeköderten Tauchgängen mit Haien und hatten richtig Angst vor dieser Situation. Besonders als 5 Tigerhaie sich plötzlich drehten und auf uns zu geschwommen sind. Wir konnten nur noch die Augen zu machen und abwarten …

©Tigerhai / Afridive.com

©Tigerhai / Afridive.com

Heute habe ich die Erfahrung von 818 angeköderten Tauchgängen mit allerlei Hai Arten und Erlebnissen.

Stop Finning DE: Es gibt die These, dass Haie, vor allem Weiße Haie, Surfer mit Robben verwechseln und es somit immer wieder zu Unfällen kommt. Stützt du diese These?

Roland: Das ist absolut nicht wahr. Haie sind nicht so dumm. Sie wissen ganz genau was eine Robbe ist und was nicht. Sie wissen sogar was vorne und was hinten ist.

Stop Finning DE: Was ist Dein Lieblingshai?

Roland: Der Tigerhai. Er ist perfekt gebaut, total ruhig, immer interessiert und weiß genau wer er ist.

Stop Finning DE: Wann hast du dich dazu entschieden deine Zeit aktiv mit Haien zu verbringen?

Roland: Wir sind ungeplant in das Geschäft hineingeschlittert. Nachdem wir – meine Frau Beulah und ich – unseren ersten Tauchkurs gemacht hatten waren wir fasziniert. Wir wollten ein kleines Boot zusammen mit ein paar Freunden kaufen. Nur für den Privatgebrauch. Als wir auf Bootsuche gingen fanden wir ein großes Boot was uns total begeisterte. Wir kauften es und merkten, dass es viel zu groß für uns war. So suchten wir andere Taucher mit denen wir das Boot gemeinsam nutzen konnten. Dafür brauchten wir aber noch einen Kompressor und Ausrüstung. Bevor wir es wussten waren wir zu tief drin und mussten ein Geschäft daraus machen.

Das war 1998.

Da Haie unser Geschäft waren war es klar, dass wir sie beschützen müssen. Und so kam ein Ding aufs andere….

Stop Finning DE: Die Probleme mit dem Beifang, gezieltem Finning und der industriellen Fischerei in Bezug auf Haie sind dir ja sicher bekannt. Für wie wichtig hältst du den Schutz von Haien im Vergleich zu anderen ökologischen oder klimatischen Problemen?

Roland: Für mich stehen Haie an erster Stelle, denn diese sind mir am Herzen am nächsten. Verständlich.

Stop Finning DE: Weitaus mehr Länder als Costa Rica, Taiwan oder Spanien machen gezielt Jagd auf Haie oder töten sie als Beifang. Welche Länder werden oder spielen bereits eine übergeordnete Rolle im Haischutz?

Roland: Ich glaube, die Malediven sind ein sehr gutes Beispiel was man mit Haischutz alles erreichen kann.

Ich persönlich habe nicht viel Hoffnung, dass die Haie so wie sie sind überleben werden. Das gezielte Abschlachten von Haien ist zu groß geworden, die Fischer zu gierig , die Käufer zu abergläubisch. Das Tier hat so kaum Chance. Die Öffentlichkeit weltweit fürchtet Haie, weil fast alle Menschen überhaupt nichts über die Tiere wissen. Die Dokumentationen im Fernsehen übertreiben und sensationalisieren alles was mit Haien zu tun hat damit der Müll verkauft werden kann. Alle schieben die Schuld an der Hai Angst auf Stephen Spielberg und sein Film „JAWS“. Wer sich heute eine alltägliche Dokumentation anschaut wird noch viel mehr verängstigt, denn jeder Moderator will sich als Held darstellen. Dafür benutzen diese Leute die Angst die alle Menschen vor Haien haben.

©Tigerhai / Afridive.com

©Tigerhai / Afridive.com

Stop Finning DE: Australien hatte vor Jahren bereits den Weißen Hai unter Artenschutz gestellt, macht aber in jüngster Vergangenheit mit der „Shark Cull Policy“ und den „Drumlines“ immer wieder negative Schlagzeilen was den Haischutz betrifft. Welche Länder haben Deiner Meinung nach in den vergangenen Jahren eine besonders positive Entwicklung und keine Rückschritte gemacht?

Roland: Keine Ahnung! Ich verbringe den größten Teil meiner Zeit damit unsere Haie an den Protea Banks so gut es geht zu schützen. Ich habe dabei Fortschritte gemacht, aber leider sind alle Schritte viel zu klein. Alles ist sehr mühselig und dauert unendlich lange. Niemand interessiert sich für den Schutz der Haie. Wir machen was wir können und versuchen dabei nicht zu verzweifeln.

Stop Finning DE: Gibt es eine ungefähre Einschätzung wie viele Haie heute noch in den Meeren schwimmen und wann es keine Tiere mehr geben wird, wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt?

Roland: Das weiß ich nicht. Aber die Prognosen sind grundsätzlich ziemlich schlecht. 10-20 Jahre eventuell!?!?

Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich erlebt habe was ich erlebt habe. Wir haben an Protea Banks in den letzten Jahren mehr Haie als früher. Das liegt sicher daran, dass wir mehr Fischerboote am Riff haben und die Haie sich intensive am Fang beteiligen. Wir wissen aber auch, dass es nicht für immer so sein wird. Wenn der Hai ausgerottet ist stirbt das Meer…..70% der Erde oder wie war das!

Stop Finning DE: Was denkst du ist die effektivste Art Haie zu schützen und warum?

Roland: Ich weiß nicht was wirklich effektiv ist. Sicher sollte man mit den Kindern in den Schulen was machen damit diese ohne Angst ins Leben wachsen. Aber die Frage ist wie viel Zeit noch dafür übrig ist? Bis die Kids von heute Entscheidungen solcher Art treffen können ist es bestimmt zu spät. Aufklärung der Weltbevölkerung ist nötig, aber unsere Dokumentationen sind oft, wie schon erwähnt, viel zu verdreht. Es ist wie bei den Nashörnern. Wo so viel Geld im Spiel ist gibt es keine Vernunft. Macht man Gesetze, baut sich ein Schwarzmarkt auf. Sich freiwillig Geld durch die Finger gehen lassen macht sowieso niemand. Was bleibt übrig? Wir müssen weiter machen! Zwei Schritte vorwärts und einen rückwärts. Hoffentlich merken die Konsumenten bald, dass Haifleisch voller Schwermetalle ist und der eigenen Körper damit vergiftet wird. Außerdem schmeckt Haiflossensuppe nach gar nichts! Wann merken die Menschen das endlich? Was für ein Statussymbol ist etwas was nach Nichts schmeckt?

Vielleicht sollte man überall Karikaturen machen, die die Dummheit solcher Leute/Bräuche darstellen.

©Buckelwal / Afridive.com

©Buckelwal / Afridive.com

Stop Finning DE: Kannst Du Beispiele aus deiner Arbeit nennen, die zum Haischutz beigetragen haben?

Roland: Jeder muss sich besser informieren über diese Tiere und mit Freunden und Bekannten darüber reden. Ein informierter Mensch ist immer interessant für Andere. Aber falsche Informationen führen hier nicht weiter wie z.B. die Sache mit dem Surfer und der Robbe.

Es gibt richtig gute Haiforscher wie z.B. Erich Ritter der sich echt total toll mit den Tieren auskennt. Wer seine Arbeit liest bekommt die richtigen Informationen. Erich macht auch regelmäßig Haiseminare. Hoch Interessant!

Stop Finning DE: Gibt es Erfahrungen die Du teilen möchtest, damit Menschen, die das Interview lesen.

Roland: Haie haben nur zwei Hauptinteressen: Ihr Leben zu erhalten und ihre Art zu erhalten.

Um zu leben müssen sie fressen. Sie fressen aber nur Fisch, denn das ist alles was sie kennen. Noch nie gab es einen Fall bei dem ein Mensch komplett von einem Hai gefressen wurde. Alle Hai Unfälle waren immer “nur” ein Versehen des Tieres. Im schlimmsten Fall ist das Opfer an Verblutung gestorben, im besten Fall hat es das Opfer überlebt. Um die Art zu erhalten muss das Tier sich fortpflanzen. Mehr ist für einen Hai nicht wichtig. Um zu überleben weiß das Tier instinktiv, dass es jeder Gefahr aus dem Wege gehen muss. Es gibt keinen Freund der den Hai füttern kann, wenn er verletzt ist. Daher sind sowieso nur die besonders neugierigen Haie in direkten Kontakt mit Menschen. Es gibt im Lexikon des Hais die Worte „Aggressiv“ und „Angriff“ nicht. Der Hai benutzt seine Zähne ausschließlich zum Fressen, nicht zum Kämpfen.

Er kontrolliert die Balance im Meer und spielt dabei die allerwichtigste Rolle. Ohne den Hai explodiert das Meer und stirbt.

Stop Finning DE: Möchtest du den Lesern und unseren Unterstützern noch etwas mit auf den Weg geben?

Roland: Wir Menschen sind die starken Lebewesen auf dieser Welt. Es ist unsere Pflicht die Schwachen und Hilflosen zu schützen, Menschen sowie Tiere.

Wir müssen die Haie schützen damit wir uns selber retten können.

Stop Finning DE: Danke Roland.

©Bullenhai / Afridive.com

Bullenhai / Afridive.com