Meeresbiologe und  Haifan Robert Marc Lehmann: »Freitauchen erlaubt mir Bilder zu machen und Situationen zu erleben, die so sonst nicht möglich wären. Außerdem ist es für mich einer der respektvollsten Wege, sich unter Wasser einem Tier zu nähern.«

Ein Interview von Johannes Möbius & Oliver Feist

Robert Marc Lehmann, 1983 in Jena geboren, hatte schon immer eine Affinität zum Wasser. Man erzählt sich, er konnte eher schwimmen als laufen. Schon von klein auf wollte er Haie und Wale erforschen. Das ZDF bezeichnete ihn einmal als »Fisch auf zwei Beinen«, ein Magazin als den »Jacques Cousteau aus Thüringen«.

Wir trafen Robert im Januar 2015 zum Interview in Kiel.

©Robert Marc Lehmann / Robertmarclehmann.com

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Stop Finning DE: Robert, woher kommst du?
Robert: Ich komme ursprünglich aus Jena in Thüringen.

Stop Finning DE: Seit wann tauchst du schon?
Robert: Ich tauche seit 2003.

Stop Finning DE: Isst du Fisch oder andere Meeresfrüchte?
Robert: Ja, ich esse Fisch. Aber nur sehr, sehr selten und dann nur extrem ausgewählt. Wenn beispielsweise ein starkes Heringsjahr ist, würde ich Hering essen. Oder wenn ich mir den Fisch selbst gefangen hätte, dann auch. Aber ich esse nur Fisch, wenn ich es wirklich hundert Prozentig vertreten kann und wo ich weiß, das kann ich nachhaltig tun. Ich würde mir nirgendwo eine Herings- oder Thunfischdose kaufen – keine Chance!

Stop Finning DE: Von Beruf bist du Meeresbiologe. Was macht Dir an Deiner Arbeit besonders viel Freude und was vielleicht auch nicht?
Robert: Am meisten Freude macht es mir, draußen mit den Tieren zu sein – das ist das wunderbarste an meiner Arbeit. Was mir allerdings keinen Spaß macht, ist, wenn ich irgendwo auf der Welt Undercover in eine Halle gehe und da liegen dann 1.000.000 getrocknete Flossen. Oder wenn ich einen gefinnten Hai finde. Auch wenn ich beispielsweise auf den Azoren ein Boot fotografiere, von welchem gerade die Haie und direkt daneben die Flossen abgeladen werden. Das sind dann die Momente, die zwar zu meiner Arbeit gehören, aber extrem belastend sind. Und da stehen mir jedes Mal die Tränen in den Augen und ich würde eigentlich am liebsten da rüber gehen und sofort aktiv eingreifen, aber die Fischer können nichts dafür. Das ist eben die unschöne Seite, die aber auch zu meiner Arbeit gehört. Beides hat mit dem Tier Hai zu tun. Die positive Seite ist, wenn du diese Tiere irgendwo im Blauwasser siehst und die negative, wenn er irgendwo mit dem Kran angelandet wird.

Stop Finning DE: Hast du deinen Traumberuf gefunden?
Robert: Ja, absolut – ich habe meinen Traumberuf zu 100% gefunden.

©Robert Marc Lehmann / Robertmarclehmann.com

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Stop Finning DE: Warum findest du Haie so faszinierend?
Robert: Weil sie zu den Top-Prädatoren gehören. Ich mag sowieso alles, was groß und „gefährlich“ erscheint. Alles, was groß ist und im Meer rumschwimmt, ist atemberaubend. Außerdem hat mir mein Vater, als ich 6 Jahre alt war, ein Buch über Haie von einer Dienstreise mitgebracht und da war es geschehen. Vorher hatte ich noch nie etwas von Haien gehört. In diesem Buch waren noch Bilder, wo einem weißen Hai Rinderblut über das geöffnete Maul geschüttet wurde damit es spektakulärer ist. Da habe ich aber damals schon gesagt, das kann gar nicht sein, der greift keine Menschen an, das glaube ich nicht. Da war bei mir schon immer dieses Nachfragen, „Verdammt das stimmt nicht – ihr lügt!“. Und dann habe ich mir alle möglichen Bücher über Haie gekauft und schenken lassen und es war einfach um mich geschehen. Aber was ich besonders faszinierend finde ist: Sie sehen einfach geil aus! Es gibt wirklich keine schöneren Tiere als Haie. Haie sind Perfektion!

Stop Finning DE: Wann und mit was für einem Haie war Deine erste Begegnung?
Robert: Meine erste Begegnung mit einem Hai war 2003 vor Fuerteventura bei meinem allerersten Tauchgang mit Gerät. Mein Tauchlehrer sagte damals zu mir: „Hier, setzt dich auf diese Sandfläche und guck mal.” Das war gerade mal 5m tief im Meer. Ich habe mich hingesetzt, aber nichts gesehen. Dann fächerte er einen Engelhai frei, der war 1,20 m lang und ich hockte nur da und dachte „Wahnsinn!“. Und dann hob sich das Tier langsam und majestätisch aus dem Sand und schwebte weg. Ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. (Das können wir bestätigen!)

Stop Finning DE: Wie hast du Dich bei deiner ersten Begegnung verhalten und wie sollte man sich Deiner Meinung nach bei der ersten (aber auch bei allen anderen) Haibegegnung verhalten?
Robert: Ich habe nur geschaut. Und ich saß einfach nur da auf der Sandfläche, was man eigentlich als Taucher nicht machen sollte, es war aber wirklich nur eine Sandfläche, da kann man rumsitzen, das war ok. Was ich im Nachhinein nicht so cool fand war, dass der Tauchlehrer den Hai gestört hat. Damals war ich einfach fasziniert heute weiß ich, er hat in das Verhalten des Tieres eingegriffen. Ich habe selber zwei Jahre im Hai-Tauchtourismus gearbeitet und das größte Verlangen aller Taucher war, einen Hai anzufassen. Und ich habe bis zum heutigen Tage in der freien Natur keinen Hai angefasst. Und ich habe tausende, hunderttausende Haie gesehen. Aber ich würde es heute auch nicht machen. Haie niemals anfassen! Es ist für mich ein Zeichen von Respekt. Und ich möchte nicht in das Verhalten dieser Tiere eingreifen. Von daher ist das wichtigste für mich: „Hands off!“ beim Tauchgang.

Stop Finning DE: Hattest du Angst?
Robert: Nein, ich hatte keine Angst. Bis heute gab es keine Situation mit Haien in der ich Angst hatte.

©Robert Marc Lehmann / Robertmarclehmann.com

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Stop Finning DE: Gab es eine besonders prägende Situation mit Haien von der du noch heute zehrst?
Robert: Mein erster Blauhaitauchgang wo ich der Guide war. Ich hatte 6 Taucher im Wasser für die ich zuständig war und da kam ein ausgewachsenes 3m großes Blauhaimännchen, ein riesen Tier. Er war sehr angespannt, hatte angewinkelte und steife Flossen, kleine Pupillen und viel Weiß um die Augen. Der war wirklich aufgeregt. Und es waren noch eine Menge anderer Haie da, unter anderem auch andere Männchen. Außerdem noch die sechs Taucher und kein Futter, wir haben nur gechummt. Es war nur Lockstoff im Wasser aber nichts anderes. Und der Hai hat sich dann in einer der Leinen festgebissen und verwickelt während ich meine Taucher unten hatte. Und das war dann für mich eine stressige Situation, den Hai zu packen und aus der Leine zu entwirren, die anderen Taucher hochzukriegen und noch 6-7 andere Haie zu kontrollieren und im Blick zu haben. Das war ein bisschen unübersichtlich. Aber dadurch, dass ich lange mit Dr. Erich Ritter zusammengearbeitet habe, bekam ich es gut in den Griff. Aber ich werde es definitiv nicht vergessen. Das gibt es auch noch auf Video, da ich meine Kamera dabei hatte und diese aus Versehen, die ganze Zeit gelaufen ist. Es war interessant, sagen wir es mal so. Und ich habe bei diesem einen Tauchgang mehr gelernt als bei zwanzig ruhigen Tauchgängen. Ich hatte keine Angst, aber es war eine stressige Situation, weil ich viele Sachen gleichzeitig zu händeln hatte und ich hatte natürlich auch Angst um das Tier, der wickelt sich in die Leine ein und schüttelte rum. Das kann natürlich auch für ihn in die Hose gehen und er hätte sich verletzten können.

Stop Finning DE: Es gibt die These, dass Haie, vor allem Weiße Haie, Surfer mit Robben verwechseln und es somit immer wieder zu Unfällen kommt. Stützt du diese These?
Robert: Ich bin komplett gegen diese These. Haie gibt es seit über 400 Millionen Jahren. Die wissen ganz genau: Das da, ist eine Robbe, ein Seeelefant, ein Delfin oder ein Thunfisch. Bei Surfern wissen sie nicht genau was das ist. Sie wissen es einfach nicht, wollen schauen und beißen deshalb rein. Von daher glaube ich nicht, dass Haie Surfer mit Robben verwechseln. Es ist ein interessantes Ding, von daher möchte er gerne reinbeißen. Er will auschecken, was es ist. Sie sind neugierig. Es wird ja in der Regel niemand von einem Hai gefressen. Das gibt es, ist aber der extreme Ausnahmefall. Sie kommen selten wieder und beißen nochmal rein, oder fressen den Surfer. Von daher stützte ich diese These auf keinen Fall.

Stop Finning DE: Was ist Dein Lieblingshai?
Robert: Definitiv der Blauhai. Die sehen einfach so genial aus. Das sind Flugzeuge unter Wasser.

Stop Finning DE: Wann hast du dich dazu entschieden deine Zeit aktiv für den Haischutz einzusetzen?
Robert: Irgendwann als Kind schon, ich kann es nicht genau sagen. Es war für mich immer schon klar, dass ich etwas mit Haien machen möchte. Deshalb habe ich auch Meeresbiologie studiert. Mich hat schon immer gestört, wenn Haie an Langleinen gehangen haben oder irgendwo Hai angeboten wurde. Ich habe als Kind auch nie Schillerlocke gegessen, mir war schon immer klar, was da abgeht und da wollte ich nie mitmachen.

©Robert Marc Lehmann / Robertmarclehmann.com

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Stop Finning DE: Die Probleme mit dem Beifang, gezieltem Finning und der industriellen Fischerei in Bezug auf Haie sind Dir ja sicher bekannt. Für wie wichtig hältst du den Schutz von Haien im Vergleich zu anderen ökologischen oder klimatischen Problemen?
Robert: Schwierig. Ich habe jahrelang gedacht, dass zum Beispiel bei einer Ölpest, zuerst das Wichtigste ist sich um die Tiere zu kümmern. Die Tiere zu entölen, die zu rehabilitieren, zu säubern usw. Bis ich dann aber von dem Experten, der weltweit für alle Zwischenfälle mit Öl zuständig ist, gelernt habe, dass es total sinnlos ist. Sondern dass man sich zu allererst um das Gebiet, wo diese Tiere leben, kümmert. Das heißt, der Habitat-Schutz ist das aller Wichtigste. Nicht das einzelne Tier oder Gruppen von Tieren, sondern der Schutz ihres Lebensraumes. Denn wo sollen die Tiere leben? Das machte für mich auch Sinn und ich konnte es nachvollziehen. Aber ich habe eigentlich immer gedacht es ist andersherum. Aber es ist wirklich so, man muss das Gebiet schützen wo die Tiere leben. Und von daher würde ich sagen, dass der Schutz des Meeres an sich, wichtiger ist als Haischutz. Nichts desto trotz sind Haie vermutlich das Wichtigste, was es im Ozean gibt und der Haischutz ist extrem wichtig. Aber der Schutz des Meeres an sich ist wichtiger, denn wo sollen sie sonst leben? Aber um noch einmal auf die Langleinen und das Finning zurück zu kommen. Die Zahlen sind sehr hoch, liegen irgendwo zwischen 100 und 300 Millionen, das kann keiner genau beziffern. Deswegen ist es schon wichtig auch da einzugreifen. Aber der Schutz der Meere ist noch wichtiger. Ich spreche von Meeresschutzgebieten. Dieses ganze Thema Schutz der Meere ist, glaube ich, im Großen und Ganzen wichtiger als der Haischutz an sich. Auch wenn es mir nicht gefällt und ich lieber Haie direkt schützen würde.

Stop Finning DE: Weitaus mehr Länder als Costa Rica, Taiwan oder Spanien machen gezielt Jagd auf Haie oder töten sie als Beifang. Welche Länder werden oder spielen bereits eine übergeordnete Rolle im Haischutz?
Robert: Was ich persönlich gut finde, ist aktuell Neuseeland. Neuseeland hat seit diesem Jahr verboten Haiprodukte zu verkaufen, Haifinning zu unterstützten und Air New Zealand, die bisher gefinnte Flossen aus Neuseeland nach Asien exportiert haben, haben dieses Jahr gesagt, dass sie ebenfalls damit aufhören. Man darf nicht verkennen, dass alle immer dieses grüne Image von Neuseeland haben. Als ich dort gearbeitet habe, habe ich aber schnell gemerkt, dass das gar nicht so ist. Neuseeland war auf Platz 16 für Haiflossenexport nach Asien, was ich nie im Leben gedacht hätte. Das war mir so nicht bewusst und ich war erschüttert. Und es gab einen riesen Aufstand bei dem die neuseeländische Bevölkerung gesagt hat, das machen wir so nicht mehr mit, denn wir wollen ja auch Touristen haben. Das Haitauchen dort ist noch in den Kinderschuhen und entwickelt sich gerade erst. Das Weiße Hai Tauchen gibt es seit 6 Jahren, wird aber leider momentan sehr kontrovers diskutiert. Aber ich glaube, Neuseeland ist gerade in der Vorreiterrolle, in dem sie sagen: Kein Finning mehr, wir exportieren keine Haiprodukte und sogar unsere Airlines fliegen keine Haiprodukte mehr nach Asien. Das ist eine riesen Veränderung und ich finde den Weg den Neuseeland eingeschlagen hat als sehr vorbildlich. Die haben Kampagnen gemacht, haben in den größten Häfen Neuseelands Hai- und Haiflossenskulpturen aufgestellt und eine eigene TV-Show über Haie gemacht, das finde ich richtig gut. Neuseeland macht jetzt wirklich viel für das Image der Haie, obwohl es dort letztes Jahr sogar einen tödlichen Unfall mit einem Weißen Hai gegeben hat.

Stop Finning DE: Australien hatte vor Jahren bereits den Weißen Hai unter Artenschutz gestellt, macht aber in jüngster Vergangenheit mit der „Shark Cull Policy“ und den „Drumlines“ immer wieder negative Schlagzeilen was den Haischutz betrifft. Welche Länder haben Deiner Meinung nach in den vergangenen Jahren eine besonders positive Entwicklung und keine Rückschritte gemacht?
Robert: Also Rückschritte hat Australien ganz klar gemacht.
Positiv kenne ich mich zu wenig aus, ich sehe leider fast nur negative Sachen. Ich kann leider nichts weiter beziffern, außer wie schon erwähnt Neuseeland. Allerdings weiß ich nicht ob man hier vielleicht doch noch Deutschland nennen kann. Indem sie drüber nachdenken und beispielsweise solche Firmen wie Doppelherz Produkte von Haien vom Markt nimmt. Es wird in Deutschland kein aktiver Haischutz betrieben, also sie gehen nicht raus und schützen Haie, aber es wird hintenherum gemacht, eben indem solche Produkte vom Markt genommen werden. Insofern könnte man sagen indirekt ist Deutschland vielleicht auf einem guten Weg.

©Robert Marc Lehmann / Robertmarclehmann.com

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Stop Finning DE: Gibt es eine ungefähre Einschätzung wie viele Haie heute noch in den Meeren schwimmen und wann es keine Tiere mehr geben wird, wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt?
Robert: Eine Zahl wie viele Haie es noch gibt, gibt es einfach nicht. Es ist unmöglich zu sagen wie viele es noch gibt. Was ich immer wieder höre, von Fischereiwissenschaftlern und meinen Professoren während des Studiums, ist das Jahr 2045. Viele Menschen haben gesagt 2045 ist „Game Over“ – Kein Fisch mehr. Keine Top-Prädatoren. Dann ist einfach Ende – wenn wir so weiter machen wie bisher. Also würde ich diese Zahl auch anführen. Man kann es einfach nicht von der Hand weisen. Egal wo ich hingehe und tauche und ich tauche noch nicht so lange, das sind jetzt 12 Jahre, ich gehe immer wieder an dieselben Plätze und sehe einfach wie die Bestandszahlen runter gehen. Wie Fische und Haie weniger, und vor allem auch kleiner werden. Es gibt allerdings genügend Beispiele wo man Schutzgebiete errichtet hat und die Haie zurückkommen und es automatisch auch Riffen wieder besser geht. Aber wenn wir so weitermachen wie bisher, dann sind im Jahr 2045 die Meere leer. Dann haben wir nur noch Quallen und Kopffüßer. Ich denke das könnte eine realistische Einschätzung sein.

Stop Finning DE: Was denkst du ist die effektivste Art Haie zu schützen und warum?
Robert: Information! Für mich ist das Größte, was man machen kann, um Haie zu schützten, informieren. Weil die meisten Leute überhaupt nichts darüber wissen. „Wie Haie sind bedroht? Die muss man schützten? Ich wusste davon gar nichts …“ „Die sind doch total unnütz und greifen Menschen an“ ist das Typische, was man immer wieder hört. Es ist ja immer wieder dasselbe: Der Mensch ist an sich ein faules Tier, das sich nicht gerne informiert, sondern immer mit Scheuklappe durch das Leben geht. Und Nachdenken ist nun einmal anstrengend und wir verlernen gerade wirklich uns anzustrengen. Und ich denke das Informationen helfen, um den Menschen klar zu machen: Wenn ich jetzt dieses Hai-Steak kaufe, dann werden in Afrika Menschen verhungern. Und das es in 20 – 30 Jahren Krieg geben wird um Fischressourcen, dass die Meere leer sind, dass alles stirbt. Unser größtes Ökosystem stirbt. Wer würde denn dann noch ein Hai-Steak kaufen, wenn man darum weiß? Niemand! Also müssen die Leute informiert werden. Also ist meine Waffe an die Schulen zu gehen und die Kinder zu informieren. Denn Kinder verstehen innerhalb von 5 Minuten wie wichtig das ist, erzählen das ihren Freunden, erzählen das ihren Eltern und sagen: „Nein, Hai-Steak möchte ich nicht!“ und „In ein Hai-Aquarium gehen? Nein, das mach ich nicht mehr. Das will ich nicht.“ Und das ist das Großartige. Deswegen, die Waffe ist: informieren und erzählen. Und das auf eine Art und Weise, das ist der wichtigste Punkt, dass man nicht aktivistisch wird und nicht dieses Image hat, im Wollpulli an einer Tonne zu stehen und Unterschriften zu sammeln und 15€ dafür haben zu wollen, die dann in unsere Verwaltung gehen und es passiert nichts. Man muss eine Balance finden, zwischen Faktenwissen und dieses cool rüber zu bringen. Das versuche ich und es ist nicht ganz einfach. Das wichtigste ist einfach eine positive Situation. Ich lasse Leute auch niemals alleine mit „das ist schlecht … und das ist schlecht“ Du musst den Menschen Lösungen und Alternativen aufweisen, wie „Hey, mach das doch so …“ Kurz gesagt: Informationen geben und Alternativen anbieten.

Stop Finning DE: Was kann jeder einzelne tun um einen Beitrag zum Schutz der Haie zu leisten?
Robert: Als erstes einmal keine Haiprodukte kaufen, das ist das aller Wichtigste.
Zweitens: Sich informieren was weltweit los ist. Wie ist die aktuelle Lage? Und damit meine ich auch, wenn du beispielsweise einen Tauchschein machen möchtest und mit Haien tauchen willst, dann informiere dich als aller erstes darüber: wo kann ich das machen, ohne dass das Verhalten der Haie verändert wird, ohne dass ich mit meinem touristischen Verhalten irgendetwas in der Natur zerstöre. Also wirklich lesen und sich informieren, dafür ist das Internet großartig. Einfach nachdenken. Damit kann man Haie schützen. Das ist eine der Quintessenzen.
Und dann kann man sicherlich auch Sachen machen wie ihr (Stop Finning Deutschland e.V.) und ich. An den richtigen Plätzen einfach ein bisschen Trubel machen und Informieren, aber da konfrontiert man oft auch Leute oder bringt sich selber in Gefahr – das muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er das machen möchte.
Und noch ein Tipp, geht nicht in Aquarien. Dafür werden Haie gefangen. Ich selber komme aus dem Business und habe jahrelang Haie gefangen. Um eine Hausnummer zu nennen: Walhaie kosten 500.000€, ein Heringshai 100.000€ und ein Blauhai 15.000€. Da kann man viel Geld mit machen. Und diese Tiere sind nicht Botschafter ihrer Art. Das sind Gefangene in einem Gefängnis. Und deswegen sage ich immer, nicht in Zoos und Aquarien gehen. Das hat heute keinen Nutzen mehr. Vor 30 Jahren hatten Zoos und Aquarien sicherlich ihren Stellenwert, heute brauchen wir es nicht mehr. Das ist mir auch ein ganz wichtiges persönliches Anliegen.

Stop Finning DE: Kannst Du Beispiele aus deiner Arbeit nennen, die zum Haischutz beigetragen haben?
Robert: Natürlich meine Fotografie und Filmerei, die verbreitet das Wissen über den Hai an sich. Richtige Informationen weitergeben, durch beispielsweise Interviews wie dieses. Einfach medienwirksame Arbeit leisten sei es auf Facebook, Internetseiten oder ins Fernsehen zu gehen. Durch medienwirksame Arbeit die Leute informieren oder an Schulen zu gehen. Ich mache teilweise extra nur Haivorträge. Das ist mein aktiver Haischutz und ich gehe auch vor Ort und mache ein bisschen Trubel…

Stop Finning DE: Möchtest du den Lesern und unseren Unterstützern noch etwas mit auf den Weg geben?
Robert: Erstens: Fasst keine Haie an! Das ist mein wichtigstes Anliegen. Und zweitens: Guckt euch wirklich genau an, wo und mit wem ihr auf der Welt tauchen geht. Es gibt so viel Unseriöses und Mist, den ich immer wieder sehe und mich jeden Tag drüber ärgere. Und es werden auch gefährliche Sachen gemacht. Es gibt so ein paar Namen und Tauchreiseanbieter in der Tauchszene, da würde ich einfach sagen: Finger weg! Das würde ich nicht machen. Es gibt aber auch Tauchguides die Tigerhaie zu dutzenden umdrehen und streicheln. Das ist einfach Quatsch und es geht in die falsche Richtung. Es machen so viele Leute nach und der Hai wird viel zu sehr entkriminalisiert und das ist einfach der falsche Ansatz! Und was auch gar nicht geht, ist Haie zu füttern. Hört auf Haie so massiv zu füttern! Das ist einfach der größte Blödsinn.

Stop Finning DE: Danke.
Robert: Gerne!

©Robert Marc Lehmann / Robertmarclehmann.com

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Weitere Info`s über Robert Marc Lehmann, seine Arbeit und Projekte findest du hier: http://www.robertmarclehmann.de