Um als erfolgreicher Jäger zu überleben braucht es eine Vielzahl empfindlicher und genau arbeitender Sinne. Haie haben insgesamt 7 hochentwickelte Sinne, die ausgezeichnet aufeinander abgestimmt sind:

1. Sehen mit einem Hochleistungsauge:
Wie man weiß, ist Sehen unter Wasser nur begrenzt und im Nahbereich von 0m bis max. 50m möglich. Hinzukommt der Verlust der Farben, je tiefer man sich befindet. Das Auge eines Haies unterscheidet sich nur gering von dem des Menschen. Haie verfügen genauso über Zapfen und Stäbchen, was bedeutet, dass sie in der Lage sind, Farben wahrzunehmen. Ihre Pupillen weiten und verkleinern sich je nach Lichteinfall und sie schützen ihre Augen vor Gefahrensituationen, wodurch zu vermuten ist, dass die Sicht das primäre Sinnesorgan der Haie darstellt.
Das vielfach als Scheinangriff falsch interpretierte Abdrehen eines Haies findet hier beispielsweise seine Begründung. Im frontalen Bereich ist der Hai in der Lage Stereo zu sehen und kann so das Objekt, das ihn interessiert, besser verstehen (dreidimensional betrachten). Um seine Augen anschließend zu schützen, dreht er blitzschnell ab und neigt dabei seinen Kopf.

2. Der hoch empfindliche Geruchssinn (Olfaktorische Wahrnehmung):
Man unterscheidet zwei Arten der olfaktorischen Wahrnehmung bei Haien: Ammenhaie z.B. können einen Konzentrationsgradienten wahrnehmen und schwimmen diesem entgegen. Tigerhaie nehmen den Geruch durch die Strömung wahr und schwimmen dann gegen diese an. Eine Besonderheit ist der Hammerhai: dieser kann durch seine Kopfform sogar dreidimensional riechen. Die Funktionsweise gleicht dabei die der menschlichen Ohren: Zunächst kommt der Reiz an einem Nasenloch an, durch die Verzögerung zum zweiten Nasenloch kann die Richtung bis auf 50 Mikrometer genau bestimmt werden.

3. Der feine Geschmack:
Haie sind keine Allesfresser. Dies zeigt auch wie gut der Geschmack der Tiere ist, denn der entscheidet, was gefressen wird und was nicht. Unbekannte Objekte, auch Menschen, werden oft erst einmal angebissen und auf den Geschmack getestet, bevor alles gefressen wird.

4. Das 100Hz Gehör:
Unter Wasser ist es nicht einfach zu hören, das kennt jeder der einmal versucht hat unter Wasser die Richtung eines Geräusches zu lokalisieren. Das liegt unter anderem daran, dass sich der Schall viel schneller bewegt als über dem Wasser. Haie haben im Laufe der Evolution ein Gehör entwickelt, welches vor allem auf niederfrequente, pulsierende Schwingungen um 100Hz reagiert. Genau diese Schwingungen werden von kranken bzw. verletzten Tieren ausgesandt, sodass Haie diese auf mehrere hundert Meter genau orten können.

5. Der empfindliche Tastsinn:
Die Haut der Haie enthält hoch empfindliche Temperatur- und Drucksensoren. Bei einigen Haien ist diese Sensorik so empfindlich, dass sie sogar auf Bewegungen der Haut von 0,02mm reagiert. Der Hai kann damit Temperatur, Wassertiefe, Strömungen im Wasser und Berührungen wahrnehmen.

6. Die faszinierenden Elektrosensoren:
Jedes Lebewesen, egal wie groß oder klein, produziert schon bei den geringsten Bewegungen elektrische Felder. Haie sind durch die sogenannten lorenzinischen Ampullen in der Lage, elektromagnetische Wellen wahrzunehmen. Sie fungieren als Elektrorezeptoren. Wenn Muskeln kontrahieren kommt es zu Entladungen, hierbei erzeugen sie Wärme und ein bioelektrisches Feld. Diese können von den Ampullen registriert werden. Da auch das Magnetfeld der Erde hierunter fällt, kann über die Ampullen erklärt werden, wie verschiedene Haiarten (wie Walhaie oder Hammerhaie) jedes Jahr an einen bestimmten Ort zur Paarung zusammenkommen.

7. Das legendäre Seitenlinienorgan:
Von der Schwanzspitze bis zum Kopf verläuft das Seitenlinienorgan. Es handelt sich um einen mit einer gallertartigen Flüssigkeit gefüllten schmalen Kanal, der sich auf beiden Seiten aller Knorpel- und der meisten Knochenfische befindet. Die Sinneszellen des Seitenlinienorgans reagieren auf Druckunterschiede – sie nehmen diese über niederfrequente Schwingungen im Wasser wahr (Erschütterungen, Bewegungen, Geräusche). Potenzielle Beute kann somit auf kurzen bis mittleren Strecken problemlos geortet werden. Auch die Orientierung bei Nacht und in trüben Gewässern wird durch das Seitenlinienorgan unterstützt.